Trends bis 2012!
Kaum ist das neue Jahr angebrochen, kriechen wieder alle Mike Shivas der zivilisierten Gesellschaft aus den Löchern und erzählen, mit welchen Trends wir in unmittelbarer Zukunft konfrontiert werden. So auch ich…
15 Mega-Trends bis zum Jahr 2012!
01. Active Engagement
Ist der passive Konsument tod? Nein! Aber der passive Konsument muss dazu motiviert werden, aktiv mit einer Marke in Verbindung zu treten. Ziel ist es, erlebbare Brand Communitys zu bilden und den Nutzern die Möglichkeit zur Partizipation zu bieten. Mit steigender “Ich-Beteiligung”, das heisst dem Involvement einer Person, erhöht sich auch die Akzeptanz gegenüber einer Werbemassnahme. Solche Massnahmen erfolgen häufig über Social Networks, Experience Design oder Brand Environment.
Unter Brand Environment versteht man, wenn Marken ganze Erlebniswelten schaffen, deren Konzept die emotionale und multisensorische (Haptik, Geruch, Aussehen, Sound etc.) Ansprache ist. So wird beim Point-of-Sale eine Marke neu und auffällig inszeniert oder es wird gleich ein neuer und aussergewöhnlicher Point-of-Sale entwickelt.
Ein gutes Beispiel ist die einmalige Kampagne von Burger King. Die Fast-Food-Kette baute kurzerhand eine Filiale komplett aus Sand am Strand um eine neue Glace zu promoten. Das solche Aktionen rasend schnell über Social Networks verbreitet werden, ist eigentlich klar, oder?
> http://cowtimes.blogspot.com/2009/08/burger-king-is-king-of-castles.html
Konsumenten, Kunden und potentielle Kunden aktiv in die Kommunikation miteinbeziehen und zu Beteilgten machen.
02. Community
Von Communitys sprach man schon vor 10 Jahren und alle wollten eine eigene haben. Mittlerweile haben aber die meisten Marketers verstanden, dass es ein bisschen mehr braucht als ein Login, um eine erfolgreiche Community aufzubauen. Im Prinzip ist es ja einfach: Es benötigt schlicht einen klar erkennbaren Mehrwert für den User. Punkt.
Beispiele, die jeder kennt, sind Kundenbonuskarten im Einzelhandel als Mittel der Kundenbindung. Exklusivität und Vorteile gegenüber Nicht-Mitgliedern bilden die Grundlage für Konzepte wie zum Beispiel das der Online-Shopping-Plattform brands4friends, die ihren mitgliedern Markenprodukte zu stark reduzierten Preisen anbietet. Oft bedienen sich diese Konzepte einer By-Invitation-Only-Strategie, um die Zugehörigkeit noch reizvoller zu machen (z.B. SmallWorld).
Crowdfunding und Crowdsourcing sind erweiterte Konzepte von Communitys. So lassen sich Bands und Künstler über ihr soziales Netzwerk finanzieren oder verbreiten ihre Ideologie ohne grosse Streuverluste einer relevanten Gruppe. Ein aktuelles Beispiel ist das anarchisch funktionierende Netzwerk Anonymous mit der Operation Payback.
Ein weiteres Beispiel ist Google. Der Suchgigant rufte seine Nutzer zu der Film-Aktion “Life in a Day” auf, die am 24.07.2010 den ganzen Tag lang ihren Alltag filmisch dokumentieren konnten. Anschliessend hatten sie eine Woche Zeit, ihre Beiträge bei YouTube hochzuladen. Regisseur Ridley Scott wird aus den besten Videos einen Kinofilm zusammenstellen, der erstmals beim amerikanischen Sundance-Filmfestival gezeigt wird.
> http://www.youtube.com/user/lifeinaday
Dieser Trend wird auch die Konsumlandschaft nachhaltig verändern, da die User die Macht nun auch zu nutzen wissen und ihre positiven oder negativen Erfahrungen mit einer Marke, Aktionen und Schnäppchen von Kleiderläden sofort an ihr soziales Netz weitergeben, wie es zum Beispiel die Twitter- und Facebook-Plattform JustBought.it bereits macht.
Geht in dieselbe Richtung wie Trend 01. Nebst aktiver Beteiligung der Zielgruppe muss einen Mehrwert für die Anspruchsgruppe erkennbar sein. Das “Was” und das “Wieso” müssen klar beantwortet werden können.
03. Convergence
Der Mega-Trend Konvergenz beschreibt die zunehmende Annäherung und beinahe Verschmelzung verschiedener Branchen und Technologien, wie zum Beispiel Informations- und Telekommunikationstechnologie. Medieninhalte werden gleichzeitig und unterschiedlich aufbereitet über diverse Medienplattformen distribuiert. Die grosse Herausforderung ist, User ortsunabhängig und situationsabhängig zu versorgen.
Apple und Nike haben dies erkannt und ihre Produkte so verknüpft, dass ein einfacher Joggingschuh heute ein modernes Trainingstool ist inkl. Herzfrequenzmesser. Dadurch entsteht ein reizvoller Mehrwert in Form eines zusaätzlichen Dienstes, der den Kaufanreiz für das jeweilige Komplementär-Produkt steigern soll.
Gerade Finanzdienstleister hätten hier ein unglaublich grosses Potential, um sich am Markt wirklich klar zu differenzieren und Transparenz zu schaffen. Meine Bank weiss schliesslich, was ich wofür ausgebe. Wieso sagt mir meine Bank dann nicht, dass mein Lieblingskleiderladen zurzeit gerade eine Aktion hat? Oder wieso sagt mir meine Bank nicht, was ähnlich gelagerte Kunden besser machen als ich? Ich bin der Überzeugung, dass meine Bank dies in den nächsten Jahren machen wird bzw. muss!
Ein Mehrwert kann durch verschiedenen Kombinationen von bestehenden Produkten und Services entstehen. Ein Blick über die Branchen- und eigenen Grenzen kann lohnenswert sein.
04. Game On
Spielen wird generationsübergreifend zum treibenden Paradigma. Das einst jugendliche Thema dringt verstärkt in alle Generationen und Lebensbereiche und fordert den Spieltrieb des Menschen heraus. Spielen ist allgegenwärtig und der Spielmodus ist jederzeit aktiviert. Dies haben mittlerweile auch diejeniegen verstanden, die zuerst über das iPhone gemeckert haben (“was soll das Ganze – brauche ich nicht für mein Geschäft”) und heute im 1.Kl.-Abteil der SBB während der ganzen Zugfahrt am Gerät hängen als wäre es ihre Nabelschnur…
Ein interessanter Ansatz sind Alternate Reality Games. Diese finden in verschiedenen Medien statt und lassen die Grenzen zwischen Realität und Virtualität dadurch verschwimmen.Einem Aufruf auf einer Website kann so beispielsweise eine Schnitzeljagd quer durch die Stadt folgen, bei der online oder via Handy immer wieder Zusatzinformationen abgerufen werden müssen. Ein gutes Beispiel ist das Game Life-Action.
Begriffe wie In-Game-Advertising, Geocaching oder Augmented Reality gehören inzwischen bereits zum Alltagsvokabular von eher grösseren und innovativen Marketingabteilungen.
Der Mensch will spielen – lasst diesem Trieb seinen Platz und nehmt ihn ernst.
05. Healthstyle
Gesundheit ist nicht mehr die Abwesenheit von Krankheit, sondern wird zunehmend zu einem Kosumgut, dient der Selbstdarstellung und ist Ausdruck ständiger Selbstmaximierung. Körper, Geist und Seele bilden den Kern dieser neuen Lebensphilosophie. In dem Masse, in dem der Präventionsgedanke immer mehr ins Zentrum des Gesundheitsbewusstseins rückt, wird auch das Wohlbefinden nicht mehr als statischer Moment, sondern als ein dauerhafter Prozess betrachtet, zu dem man ständig einen Beitrag leisten muss.
Aus Lifestyle wird Healthstyle. Konsumenten werden in Zukunft besonders auf mobile Gesundheitsüberwachung und Gesundheitsassistenten zurückgreifen, die ihnen in jeder Lebenslage eine optimale Versorgung und Beratung ermöglichen. Wer hat nicht schon ein Krankheits-Symptom gegoogelt?
Begriffe wie Botox, Silikon, Anti-Aging, Body-Tuning, Functional- oder Slow-Food,Work-life-Balanceetc. werden uns leider künftig vermehrt über den Weg laufen. Kurse dieser Art schiessen aus dem Boden wie Pilze und Online-Angebote überquellen. Schöne neue Welt – würde sich Winston Churchill wundern während er einen Cognac mit Zigarre geniesst. Aber jeder Trend erzeugt zum Glück nach einer Zeit auch einen Gegentrend…
Offenbar hat die westliche Zivilisation keine andere Probleme… Aber auch hier: Trend ernst nehmen, da es einer ist.
06. Homing
Homing beschreibt das Bedürfnis nach Heimat und lokaler Beständigkeit in den eigenen vier Wänden bei gleichzeitigem Verlangen nach nach Geselligkeit. Verschiedene Macro-Trends unterlegen dies: Intelligente Umgebungen passen sich den modernen Ansprüchen unserer eigenen Person und der Gesellschaft an. Die Digitalisierung ist bei uns zuhause angekommen und nimmt seinen Weg.
Angebote an funktionalen Möbelstücken nehmen stetig zu und es entstehen originelle Kombinationen, meist fantasievoll und platzsparend. Do it yourself ist das Schlagwort! Es wird kostengünstig etwas Persönliches zu erschaffen und der Wunsch ist da, sich nach einem hektischen Tag genüsslich zurücklehnen zu können. Home Entertainment und die Security tragen diesem Wunsch bei.
Ein gutes Beispiel für Home Entertainment ist – nebst den handelsüblichen elektronischen Gadgets wie LED-Screens oder bestellende Kühlschränke – das Konzept SHEF. SHEF ist ein Akronym aus “Stay at home and entertain friends”. Ausgewählte Freunde folgen einer Einladung zu einem angesagten Mottoabend, zum Beispiel mit einem unterhaltsamen Kochvergnügen. Die eigenen vier Wände werden zur perfekten Location.
Der ambitionierte Hobby-Koch Rupert Maasdorp aus London empfängt zweimal wöchentlich Gäste für ein nobles 5-Gang-Menü bei sich privat zu Hause. Die Dinner-Abende für max. 16 Gäste sind jeweils lange im Voraus ausgebucht. Dieses Angebot – quasi privat zu privat – generiert ein Gefühl des Exklusiven.
Trotz anhaltender Globalisierung ist der Trend die “Lokalisierung”. Einzigartig, speziell, exklusiv, persönlich, nah und authentisch soll es sein.
07. Individualisation
Der Wunsch, sich von anderen zu unterscheiden, lässt sich nicht nur in vielen Gesellschaftsbereichen beobachten. Die Autoren vom Bestseller “Blue Ocean-Strategie” sprachen schon vor einigen Jahren davon. So ist neben der wachsenden Ausdifferenzierung in der Produkt- und Warenwelt der Mensch selbst zu einer Marke geworden. Um einzigartig zu sein, gilt es oftmals, ganz normale Produkte oder Services in extremem Masse zu individualisieren.
Vom eigens designten iPod und Nike-Schuh bis zum individuell zusammengestellen Frühstücksmüsli werden hochpersonalisierte Customer-Experiences zum eigentlichen Alleinstellungsmerkmal. Unternehmen verbinden so individuelle Produkte und Services mit einer erlebnisorientierten Erstellung. Mit Hilfe von Bodyscan-Methoden (wie z.B. UpCload) können Kleidungsstücke mit der integrierten Webcam auf die eigenen Körpermasse zugeschnitten und zeitgleich über die integrierte Augmented-Reality-Anwendung von Freunden in sozialen Netzwerken bewertet werden.
Die Herausforderung für das Marketing liegt dabei vor allem darin, die bereits vorhandenen Kundendaten so intelligent zu verdichten, dass mittels ständig aktualisierter User-Profile die fragmentierten Segments of One hochindividuell angesprochen werden können. Dies zielt in die Richtung des sog. Long Tails. Anbieter im Internet erzielen mit Nischenprodukten oft mehr Gewinne als mit sogenannten Bestsellern. Während selten verkaufte Produkte im Einzelhandel zu hohe Kosten für Lagerung und Lieferung verursachen, erreichen Online-Anbieter mit einem grossen Angebot wenig gefragter Produkte in digitaler Form – bei denen die Lagerkosten gegen Null tendieren – eine grössere Zielgruppe und erwirtschaften oft mehr Umsatz.
Entscheidend ist jedoch immer die Relevanz in der Zielgruppe. Um diese Relevanz aufzeigen zu können, entwickelte das britische Unternehmen Special Network Services die Webapplikation Peerindex, die es ermöglicht, Autoritäten und Meinungsführer zu spezifischen Themen im sozialen Netz zu identifizieren.
Ähnlich wie der letzte Trend. Am liebsten hätte ich in New York auch einen Ableger meiner Lieblingsbar inkl. dem Personal. Ernsthaft: Ich erwarte, dass meine Bedürfnisse erkannt werden und Produkte sowie Services auf mich zugeschnitten werden.
08. Knowledge Society
Wissen ist die wichtigste Ressource des 21. Jahrhunderts. Dabei ergänzt Wissen die klassischen Produktionsfaktoren – Arbeit, Boden, Kapital – des Industriezeitalters und ist somit Ausdruck eines gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturwandels. Als zentralle Quelle von Produktivität und Wachstum werden nunmehr die Erzeugung, Nutzung und Organisation von Wissen angesehen.
Kreativität gilt als Schlüssel und Motor der modernen Volkswirtschaften! Die “Googleisierung” der Realität und die Erkenntnisse bezüglich der Intelligenz der Masse (Schwarmintelligenz) erlauben es, sich in kurzer Zeit Expertenwissen – etwa in Form von Wikis – anzueignen.
Einen grossen Wettbewerbsvorteil wird künftig derjeinige haben, der relevante Informationen filtrieren, speichern und weitergeben kann. Aber welche Informationen sind wichtig? Und für was oder wen soll oder muss ich mich entscheiden? Um diese Fragen beantworten zu können, hat man die Möglichkeit, die Plattform “Opinionaided” des US-Unternehmens Kurani Interactive zu nutzen. Dort kann der Nutzer Fragen stellen und von der Community bewerten lassen.
Weitere Schlagwörter unserer Wissensgesellschaft sind Semantic Web, Social Search, Visual Search oder selbstverständlich auch Wiki (egal ob pedia oder leaks..;-).
Das Ziel ist immer dasselbe: Die richtige Information in der richtigen Dossierung zum richtigen Zeitpunkt zu erhalten.
09. Life Science
Liegt die Zukunft des Menschen in den Händen der Wissenschaftler? So könnte man meinen, wenn man sich die gewaltigen Fortschritte der letzten Jahre bei der Entschlüsselung der “Blackbox Mensch” vor Augen führt. Wir beginnen langsam zu verstehen. Erkenntnisse aus der Bio- und Nanotechnologie sowie der Genforschung tragen nicht nur zur Bekämpfung von Krankheiten und Gendefekten, sondern auch zur Optimierung unserer Nahrungsmittel bei.
Mikrochips, die bei blinden menschen unter die Netzhaut eingesetzt werden, intelligente Beinprothesen und Hörgeräte, die mit blossem Auge nicht mehr zu erkennen sind – die Möglichkeiten aus der Verbindung von Bio-, Nano- und Informationstechnologie sind vielfältig und die Einsatzbereiche in der Zukunft derzeit kaum einschätzbar.
Durch den Einsatz von Mikrochips (z.B. RFID- oder NFC-Chips), die wie Implantate in den Körper eingesetzt werden, können wichtige Patientendaten ins Krankenhäusern unmittelbar abgerufen, Haustiere überwacht und in exklusiven Clubs (in Spanien oder Holland bereits Realität)sogar Getränke bezahlt werden.
Durch neue Technologien werden wir in der Lage sein, bestehende Probleme lösen zu können. Selbstverständlich entstehen dadurch wieder neue Probleme…
10. Outernet
Unter dem Stichwort Outernet bahnt sich eine technologische Entwicklung an, die unser Verhältnis zueinander und zu den Objekten der Welt tiefgreifend verändern wird. Das Internet legt sich wie eine zusätzliche Schicht über unsere Umwelt und die gelernten Möglichkeiten – Verlinkung, Suchfunktion, Personalisierung und Interaktion – übertragen sich damit auch auf physische Objekte und Produkte. Das Internet springt auf die Strasse und wird zum Outernet. Mobile Datenflatrates, die Möglichkeit der Geolokalisierung sowie Augmented-Reality-Systeme sind bei dieser Generation des Internets die wichtigsten Triebkräfte. Zudem heben Datenübertragungsverfahren wie HSDPA, LTE und WiMax die Trennung von offline und online konsequent auf.
Marktfähig sind bereits diverse ortsbasierte Dienstleistungen und Portale (z.B. Facebook Places, FourSquare, Gowalla etc.), die meist per App vom Handy aus genutzt werden, Informationen und Services kontextbezogen anbieten und häufig auch den Community-Aspekt integriert haben. Wenn ausserdem durch Geo-Chips und visuelle Codes praktisch jedes physische Produkt zum realen Hyperklink wird, hebt sich die Grenze zwischen produkt und Verkaufsfläche auf!
Die Anzahl der potentiellen Verkaufs- und Kommunikationskanäle wird sich durch das Outernet massiv erhöhen und viele Branchen zum Umdenken zwingen.
Ein Beispiel ist der Local-Based-Service vom “Aloqa“. Dieser Dienst versorgt den Nutzer gezielt und ereignisorientiert mit Ortsinformationen. Unternehmen und Geschäfte müssen, die über mobile Anwendungen auf ihren Standort hinweisen wollen, müssen dank “Aloqa” künftig nicht mehr für jedes Mobiltelefon eine passende Software entwickeln. “Aloqa” unterstützt seine Nutzer proaktiv, indem der Dienst kontextbezogen jederzeit über Freunde, Konzerte, Lieblingsgeschäfte und Schnäppchen in unmittelbarer Nähe informiert.
Wir werden dauernd online sein. Daher erwarten wir auch personalisierte Push-Meldungen, Dienstleistungen oder Aktionen, die meinen Bedürfnissen entsprechen.
11. Shy Tech
Der Ursprung von Shy Tech ist das Spannungsfeld der steigenden technologischen Komplexität auf der einen Seite (High Tech) und dem Wunsch nach Komplexitätsreduktion auf der anderen Seite (Simplicity). Die Vergangenheit hat gezeigt: nur wenn sich Technologien dem Nutzer gegenüber “schüchtern” verhalten, werden sie auch von ihm akzeptiert und adapiert.
Durch die Miniaturisierung elektronischer Bauteile verschwinden Computer und Sensoren sprichwörtlich von der Bildfläche, werde für das menschliche Auge unsichtbar unt integrieren sich in unsere Alltagsgegenstände und Kleidung. Neue, intelligente Materialien und Kunststoffe können mehrere Funktionen in sich vereinen, untereinander informationen austauschen und im Hintergrund operieren. Die Weichen sind also gestellt, sodass aus high Tech Shy Tech werden kann.
Ein Beispiel aus Schweden: “Flattr” ist ein Dienst, der den Micropayment-Bereich durch Elemente sozialer Netzwerke erweitern soll. Das prinzip funktioniert nach der sogenannten “Thank You Economy”: Jeder nutzer kann sich bei “Flattr” ein monatliches Budget einrichten. Stösst er dort beispielsweise auf einen interessanten Artikel, so kann er diesen mittels einem Klick auf das “Flattr-Logo”als lesenswert markieren (z.B. wie bei der TAZ).
Am Monatsende wird ermittelt, welcher Künstler oder Autor wie viele Klicks erhalten hat. Anhand dieser Erhebung wird das Budget der Verbraucher anteilig vergeben und überwiesen.
Produkte und Dienstleistungen müssen einfach zu verstehen und einfach in der Bedienung sein.
12. Sustainability
Es gilt mittlerweile als erwiesen, dass die Veränderungsprozesse in der Natur auch durch den Menschen beeinflusst werden. Langfristig wird das globale Ökosystem den massiven Eingriffen wie z.B. der Umweltverschmutzung nicht mehr standhalten können. Mit Folgen: Naturkatastrophen nehmen immer grössere Dimensionen an, der Meeresspiegel steigt und einst fruchtbare Böden werden zu Wüstenlandschaften.
Den Menschen ist inzwischen klar geworden, dass es so nicht weitergehen kann, weshalb Recycling, ökologisch-orientierte Städtebaukonzepte und Massnahmen zur Einsparung von Rohstoffen und Erzeugung von Energie zukunftsträchtige Märkte eröffnen. Nachhaltiges Handeln meint auch, soziale Verantwortung zu übernehmen. Dass der Kaffeebauer einen fairen Preis für seine Ernte erhält oder die Kleidung ohne Kinderarbeit hergestellt wird, sind nur zwei Mindestanforderungen, die an Unternehmen und Produzenten gestellt werden. Switcher z.B. lässt den ganzen Herstellungsprozess transparent ausweisen.
Einen innovative Idee des Spendensammelns kommt aus Holland. Auf der sozialen Plattform “SOSR” kann jeder Nutzer einen Service oder eine Gefälligkeit zum Preis von 5 Euro anbieten, sei es ein Rezept, einen Song, ein Bild oder ein Video. Erwirbt nun jemand einen Service, werden zwischen zehn und hundert Prozent des investierten Geldes gespendet. So lassen sich pragmatisch Talente zur Spendenaquise nutzen.
Produkte und Dienstleistungen müssen transparent, politisch korrekt, sozial und ökologisch sein. Der Kunde will nicht nur spüren, sondern Wissen, dass das Unternehmen XY verantwortlich handelt.
13. Timeless Time
Begriffe wie Speeddating, 30-Minuten-Rhetorikkurs, To Go oder 24×7 sind heute in aller Munde und deuten auf das Phänomen der Zeitarmut hin. Zwar ist das Erwerbsarbeitsvolumen so gering und die Anzahl an Urlaubstagen so hoch wie noch nie zuvor, trotzdem gilt heute die Zeit als knappste aller Ressourcen. Keine Sekunde darf vergeudet werden.
Die Gründe sind vielschichtig: So führten vor allem die Digitalisierung auf technologischer Ebene und die Flexibilisierung auf gesellschaftlicher Ebene in einen Zustand der Rastlosigkeit. So kommt es, dass nicht nur bei Top-Managern ein Mangel an Zeit herrscht, sondern jeder Verbraucher die immer knappere Zeit möglichst effizient nutzen möchte, z.B. durch den Konsum vonConvenience-Produkteoder Fertiggerichten. Vollständig umsorgende Serviceangebote und On-Demand-Services helfen dabei, unterschiedliche Lebensbereiche mit minimalen Zeitaufwand zu managen.
In den USA gibt es einen Full-Service-Dienst “Fancy-Hands“, der für eine Gebühr von 30 Dollar im Monat einfache Aufgaben für seine Kunden übernimmt. Die Arbeiten werden von realen Personen durchgeführt, beispielsweise Organisieren eines Mietwagens, Terminvereinbarungen oder Reservierungen. “Fancy-Hands” ist quasi der persönliche, imaginäre Butler. Weitere Beispiele sind z.B. eTaxiaus Spanien oder das Self-Service-Bar-Konzept “MiniBar” in Amsterdam.
Timeless Time – auch im Medienkonsum. Die steigende Popularität von Snack Size Content wie z.B. 20min sowie die Möglichkeit des zeitverzögerten Fernsehens sind konkrete Ausprägungen des veränderten Medienverhaltens der “Time-Poor”-Klientel.
Geht in die Richtung von Trend 08, der Wissensgesellschaft: Ich will mich nur mit “Wichtigem” befassen. Den Rest will ich Dienstleistern abdelegieren.
14. Virtualisation
Bei der Virtualisierung geht es nicht mehr nur um das abstrakte Phänomen der Virtualisierungstechnologie, wie der Begriff in der Informatik gebraucht wird. Die Virtualisierung ist Teil unseres Alltags geworden, wenn wir z.B. Cloud-Computing-Anwendungen wie Flickr oder YouTube nutzen (aktuelles Beispiel ist der 20min-Cloud-Dienst SoundShack; Beschrieb unten im Video), uns von 3D-Filmen verzaubern lassen oder uns mit anderen zu virtuellen Shoppinggemeinschaften zusammenschliessen.
Virtuelle Realität wird mittlerweile auch von Architekten oder im Tourismus vermehrt genutzt, um dem Kunden vorab einen Eindruck seines neuen Hauses oder Urlaubsziels, zu vermitteln. Virtualisierung bedeutet aber auch, dass komplett neue Märkte entstehen, auf denen virtuelle Produkte und Services angeboten werden und mit virtuellen Währungen – wie z.B. mit der Plattform Bodega – bezahlt werden können.
Wir kennen doch alle noch das Phänomen Linden-Dollars und SecondLife vor einigen Jahren. Die waren vielleicht etwas zu früh oder der Hype war zu gross – der Trend jedoch bleibt unverändert.
Das Laufwerk C: wird es mittelfristig nicht mehr geben. Wir werden unsere Daten bei Dienstleistern bunkern und diese nach Bedarf abrufen – egal über welches Gerät.
15. Youmocracy
Das Internet gilt als grösste Veränderung des Informationswesens seit der Entwicklung des Buchdrucks vor ca. 500 Jahren durch unseren Freund Gutenberg. Durch Dezentralisierung und Verlinkung steht nun der nutzer selbst im Mittelpunkt eines weltweiten Netzes, das durch seine demokratisierende Wirkung viele Bereiche unseres täglichen Lebens nachhaltig verändert hat.
Gesellschaft, Wirtschaft und Politik sind keine geschlossenen Systeme mehr, sondern werden durch eine Vielzahl von Internet-Usern mitbestimmt, neu verhandelt und kontrolliert. Der Einfluss der Netzgemeinschaft hat die bisherigen hierarichisch getriebenen Grenzen verschoben und zum Teil ganz aufgelöst. Dies wiederum wirkt sich immer stärker auf einzelne Geschäftsmodelle sowie ganze Branchen aus.
So hat sich die Rolle der Medien durch die hohe Anzahl ambitionierter Amateurjournalisten, die Inhalte nun selbst erstellen und verbreiten können, stark gewandelt. Alt eingesessene Medienverlage müssen sich neu erfinden, da die Erträge auch künftig schmelzen werden. Im Gegenzug sind Newsportale wie The Huffington Post das Mass der Dinge, welches den Wahlkampf von Obama im 2008 nachhaltiger beeinflusste als CNN oder Fox.
Auch die Wirtschaft setzt vermehrt auf den Erfindergeist der smarten Masse und lässt Produkte oder Services teilweise oder vollständig von Konsumenten entwickeln. Durch das Prinzip des Crowdsourcing wird der mündige Bürger nicht nur in Innovationsprozesse eingegliedert, sondern zum integralen Bestandteil von Marketingkampagnen oder Werbeauftritten. Der Nutzer wird Teil der Wertschöpfungskette!
Die moderne Gesellschaft emazipiert und wehrt sich. Dank grösserer Transparenz kommen Missstände eher an die Öffentlichkeit. Der Konsument wird zum Produzent und will an der Entwicklung aktiv beitragen.
So – das waren die 15 Trends bis 2012!
Links und Quellangaben
- TrendOne (sehr empfehlenswerte Micro-Trend- und Innovationsforschungs-Unternehmen)
- Das renommierte Wissensmagazin GDI Impuls
- Zukufts-Institut
- Copenhagen Institute for Future Studies
- Global Ideas Bank
- Forrester Research
- Gartner Research
…und zu guter Letzt ein hervorragend gemachtes Video zum Thema:
