Wir basteln uns ein Social-Media-Desaster

on Mittwoch, 08 Juni 2011.

In 10 Schritten zum perfekten Imageschaden dank Web 2.0!

Wie wir alle schon bereits lernen konnten: Das Social Web bietet jedem viel Potential.

Das kann man auch sehr gekonnt dazu nutzen, um unangenehm aufzufallen oder seinem Image einen gut sichtbaren Schaden hinzuzufügen. Wie leicht das geht, zeige ich hier: eine Praxis-Anleitung in zehn einfachen, gut nachvollziehbaren Schritten.

1. Betrachten Sie das Internet als Ihren Feind

Wie bei vielen Dingen im Leben, ist auch beim Social-Media-Desaster die Grundeinstellung entscheidend. Es ist unumgänglich, dass Sie das Internet als Ihren Feind betrachten. Stellen Sie sich die Horden mürrischer Netzbewohner möglichst plastisch vor, wie sie hämisch auf Sie zeigen und Ihre Angebote und Produkte in den Dreck ziehen.

Denken Sie daran: Internetuser sind alle in Keller wohnenden Nerds, die vom wahren Leben keine Ahung haben. Man muss ihnen keinesfalls mit Respekt begegnen. Gegenüber Ihren Kunden zeigen Sie doch auch gern, wer am längeren Hebel sitzt, nicht wahr? Eben. So ist das auch mit diesem Pack aus dem WWW. Eigentlich noch schlimmer. Steigern Sie sich ruhig rein.

2. Starten Sie trotzdem irgendetwas im Netz

Allein schon fürs Image ist es heutzutage ja nun einmal leider notwendig, irgendetwas in diesem Internet auf die Beine zu stellen. Finden Sie heraus, was Ihre Konkurrenten nocht nicht tun und tun Sie genau das – egal, warum. Das nennt man dann einen “Vorsprung” und Sie gelten als innovativ. Sie sind schneller als die anderen. Das ist gut. Kennt man ja vom Autofahren – siehe dazu auch Punkt 4.

3. Dieses “Web 2.0″ ist wichtig. Seien Sie dabei!

Wie Sie sicher überall immer wieder lesen, ist dieses Web 2.0 total wichtig. “Social Media” sagen manche – “Mitmachweb” haben Sie sicher auch schon gehört. Im Grunde kann hier jeder tun, was er will. Immer. Überall. Grauenhaft, oder? Andererseits sieht man, dass manches Unternehmen damit erfolgreich ist.

Logisch, dass Sie auch dabei sein wollen. Und das geht super einfach. Einfach bei Twitter, Facebook & Co. einen Account eröffnen und schon sind Sie mittendrin.

4. Berater engagieren, am besten einen “Guru”

Noch besser ist es, einen Experten einzukaufen. Dafür gibt es “Social Media Berater” oder noch besser: “Social Media Gurus”. Je protziger die Bezeichnung, desto glaubwürdiger der Geschäftspartner – das kennen Sie ja schon aus Ihrem Alltag. Wer fährt den bei uns die BMW’s?

Es gibt aber noch mehr Erkennungszeichen für einen guten Experten: So hat er eine möglichst bunte Seite bei Twitter, das Wort “Geld verdienen” taucht mehrmals auf und er hat mindestens ein E-Book veröffentlicht. Trifft dies alles zu, können Sie blind einen Auftrag erteilen.

5. Menschen sind käuflich. Das gilt auch im Web.

Wie Sie wissen, kann man mit Geld alles erreichen. Warum sollte das im Web nicht auch gelten? Setzen Sie alles in Bewegung, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Bezahlen Sie auch Leute dafür, dass sie über Sie berichten.

6. Seien Sie laut und aufdringlich

Gehen Sie in die Offensive. Preisen Sie Ihre Produkte möglichst auffällig und konsequent an. Wer am lautesten Schreit, bekommt die meisten Kunden. Ist auf dem Hamburger Fischmarkt ja auch so. Schreiben Sie immer wieder Leute an. Wozu sonst gibt es Direct Messages bei Twitter oder das Mailsystem bei Facebook?

Sie bekommen wenige Reaktionen? Dann heisst es: Aufwand verdoppeln und alle 10 Minuten die Statusmeldung aktualisieren – solange, bis es klappt. Viel hilft viel.

7. Wichtig: Einfach laufen lassen

Der Vorteil des Webs ist, dass Ihr Social Media Guru nur die richtigen Hebel bedienen muss und der Rest läuft von alleine. Deshalb müssen Sie nichts kontrollieren und auch keine Zeit damit verschwenden, auf Anfragen oder andere Reaktionen einzugehen. In der Zeit können Sie schon mal wieder zwei neue Aktionen starten! Schliesslich geht es hier um Umsatz, Cash, Kohle! Da sollte man sich nicht mit zwischenmenschlichem Geplänkel aufhalten.

8. Wenn etwas schiefläuft: Klappe halten!

Ist doch etwas schiefgelaufen? Jemand beschwert sich über Ihre angeblichen “Spam”-Nachrichten? Ihre eingekauften Meinungen sind aufgeflogen? Ihre Produkte oder Dienstleistungen sind vielleicht doch nicht so gut und irgend ein Internet-Trottel posaunt es heraus?

Sehr gut, das Destaster nimmt seinen Lauf. Einfach aussitzen. Nicht reagieren. So kann sich die Aufregung richtig hochschaukeln und alles Weitere läuft fast wie von selbst. Herrlich.

9. Im Zweifel angreifen

Der Pöbel im Netz krakeelt immer lauter? Sehr gut. Dann sollten Sie jetzt zum Angriff übergehen. Zeigen Sie per Kommentar unter flegelhaften Blogpostings, was Sie vom Autor des Beitrags halten und wie dämlich er sich anstellt. Seien Sie hier sehr klar und eindeutig, sonst verstehen die das nicht.

Auch ein gutes Mittel, um die Stimmung weiter anzuheizen: Verschicken Sie Abmahnungen! Ihr Anwalt setzt Ihnen mit Sicherheit gern ein entsprechendes Schreiben auf. Tipp: Abmahnungen gleichlautend an möglichst viele schicken, das potenziert den Effekt enorm!

10. Alles abstreiten. Schuldige finden.

Okay. Der Wagen ist im Dreck oder an die Wand gefahren. Dann ist jetzt Zeit für das Finale: Alles abstreiten, als Missverständnis deklarieren und die Schuld möglichst schnell auf jemand anderen abschieben.

Herzlichen Glückwunsch: Ihr Social-Media-Desaster ist perfekt.

Diese Anleitung enstand in Anlehnung des Artikels vom t3n-Magazin (übrigens sehr empfehlenswert)

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